Juni 2011

 

 

 

 

Sommer in Deutschland / Winter in Australien

 

Was in Deutschland dem wasserfesten Material und seiner ursprünglichen Verwendung entsprechend ziemlich schnöde als ‚Badelatschen‘ bezeichnet wird, hat in anderen Teilen der Welt einen ganz anderen Status und vielfältige Namen: Inspiriert durch japanisches Schuhwerk haben die Neuseeländer Sandalen adaptiert und als jandals  bezeichnet. In Amerika werden sie flip-flops genannt, was sich vermutlich international durchgesetzt hat.

 

Thongs heißen sie dagegen in Australien. Thongs sind allgegenwärtige, geschlechts- und alters-unabhängige  Fußbekleidung - Modeartikel mit Kultstatus. Versehen mit dem Markennamen Havaiana werden sie nicht nur ‚ausgehfein‘, sondern auch gleich um einiges teurer als jede rustikale Billig-Kaufhaus-Variante.

 

Eine kreative Freundin von uns aus Houston hat längst ein Geschäft daraus gemacht und bietet personalisierte Versionen an: http://www.flipflopsforall.com/index.html

 

 

 

Für thongs ist es momentan allerdings zu kalt. Zum entspannten Wochenende gehört für uns im Herbst / Winter der sonntägliche bush walk und am Mount Mambup bei Midland wiederholen wir unseren ersten Wanderausflug. Die Strecke ist also vertraut,  einige Gesichter der Wanderer sind dennoch neu – und: bush walking scheint eine Aktivität unter Australiern mit überwiegend europäischen Wurzeln zu sein; keine Asiaten und erst Recht keine echten ‚Buschmänner‘ gehören zum Western Walking Club 

 

Eine bush oyster ist alles andere als lecker, denn es handelt sich hierbei um die Aussie Slang Variante von snot, also Rotz oder Nasenschleim. Die sehr griffige Abkürzung hanky ersetzt in diesem Zusammenhang das eher umständliche handkerchief = Taschentuch; von einem bushman’s hanky spricht man, wenn das hanky gerade nicht verfügbar ist, und diese Erklärung wird geliefert: Emitting nasal mucus byplacing one index finger on the outside of the nose (thus blocking one nostril)and blowing.

 

Nostalgische Outback Gefühle beschreibt Davis Dale in seinem Buch ‚The Little Book of Australia‘. Seinen Statistiken zufolge leben 85% seiner Landsleute sehr urban in einem 50 km breiten Gürtel entlang der Küste. Er behauptet, dass sich das australische Selbstbildnis von einem bush battler bei den Stadtmenschen lediglich durch das Tragen der breitkrämpigen Akubra Hüte erschöpft, oder auch durch das Fahren von überpowerten vierrad-getriebenen Fahrzeugen, in denen die kids zur Schule gebracht werden.  
(vgl.:
http://www.down-under-store.de/Akubra_Hats.html)

 

Bush walking ist demzufolge = ein wenig Bewegung in aufgeforstetem Gebiet

bush telegraph = Gerüchte, Klatsch

bush lawyer = ein unzureichend ausgebildeter Experte

to go bush = verschwinden, verduften

 

Hier noch zwei Fotos von unserem jüngsten bush day – jenen 5 Stunden Bewegung  in ‚aufgeforstetem‘ Gebiet' im Südwesten von Western Australia:    

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Swan River and Grass Trees, Acryl, 2011

 

 

Es hat in den vergangenen Tagen geregnet, die Natur konnte sich etwas erfrischen, zeigt zwischen erstem Grün zaghaft Blüten und in dem kleinen Bach, an dem wir auf unserem bush walk vorbeikommen,  ist tatsächlich auch Wasser. Ein wunderschöner Tag zwischen tausenden Grass Trees, einer großen Känguru­herde und zeternden Red-Tailed Black Cockatoos in den Eukalyptusbäumen geht trotzdem sehr ärgerlich zu Ende: Unser Auto wurde aufgebrochen, die Scheibe in der Beifahrertür komplett herausgerissen, Lackierung zerkratzt! Offensichtlich auf der Suche nach Bargeld haben Vandalen das Navigationsgerät liegengelassen. Alle vier Autos unserer Wandergruppe waren am Wungong Circle, einer noch sehr bewohnten Zufahrtstraße zum Bungendore Park bei Armadale geparkt – und während wir um das Auto herum stehen und den Schaden betrachten krabbeln uns zu allem Überfluss große Ameisen unter die Hosenbeine und beißen, wo wir sie nicht schnell genug abschütteln können.  

 

 

Foster's for Sale 

Weltweit gibt es in neun Ländern Abfüllstationen, Kunden in 150 Ländern für das seit 1887 gebraute Foster’s. In Australien trinkt man diesen Exportschlager allerdings so gut wie gar nicht – viel beliebter ist hierzulande das Victoria Bitter … und unser Lieblingsbier bleibt: Little Creatures Pale Ale. Mal sehen, ob Ulli und Werner sich damit anfreunden können. Die beiden kommen Anfang Juli und vier feiern Hochzeitstag.

 

Mit viel Vorfreude auf die nächsten Wochen grüßt euch

Biggi

 

   

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 


 
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