Mai 2011

 

 

Hätten die Australier wie die Potsdamer ein ‚Schloss Sanssouci‘ es müsste ‚No Worries‘ heißen, denn die zwei simplen Worte  beschreiben genau diese Gefühlslage: Ohne Sorgen.   

 

No worries illustriert aber nicht nur das entspannte Lebensgefühl, das die (West-)Australier in ihrem Alltag zelebrieren. Desgleichen besagt dieser Ausdruck:  ‚gern geschehen‘- ‚keine Ursache‘- ‚kein Problem‘- ‚alles klar‘- ‚kein Grund zur Beunruhigung‘- ‚ich mach das schon‘  – all das lässt sich damit ausdrücken und wir hören es täglich und überall.      

 

 

 

 

 

Im australischen Slang finden sich neben 'no worries', diesen schönen Worten der Zufriedenheit und Lebenslust,  aber auch jede Menge deftige Bezeichnungen, die den bekannten Hang zum Fluchen unterstreichen und sich nicht nur auf diese beliebte Zusätze beschränken:  
…‘bloody …fu**ing…damned‘ …
 

 

crack the shits =
einen Wutanfall bekommen, die Geduld verlieren
pissed = betrunken
pissed off =  verärgert
piece of piss = eine einfache Sache
hit the piss/sink some piss = ein paar Biere schlucken
bored shitless = sehr gelangweilt
piss weak = feige, schlecht
piss off! = verpiss dich!


und ein…. shit house    …. kennt man auch in OZ.

 

Der ‚richtige‘ Gebrauch von Kraftausdrücken ist für nicht Muttersprachler stets etwas schwierig, denn z.B. ‘a bloody bastard’ kann in Australien sowohl eine Beleidigung - aber auch eine fast liebevoll gemeinte Bezeichnung für einen guten Kumpel sein, denn Aussies lieben nicht nur Abkürzungen, wie:

mozzie, brekkie, arvo, chewie, chrissie, greenie, esky, kindie, oldies , Tassie, rellie, rollie, pokie….   ....
 


und uni, was wie in Deutschland: Universität abkürzt,

 

sondern auch Spitznamen, die genau das Gegenteil beschreiben, von dem, was sie bezeichnen sollen:   

 

So heißt ein langer Kerl Shorty“, ein stiller Mensch schon mal Rowdy und Curlyist ein Glatzkopf.  

 

 

 

 

 

 

Mein prezzy ist ein stubby of coldie, für die Person, die alle Abkürzungen oben  richtig ins Deutsche übersetzt und mir eine email von O.S. nach OZ schickt!!

 

Viel Spaß ......    

  

...... with Worries!


Gerade habe ich den kleinen Beitrag ins Netz gestellt, da lesen wir im Weitreise-Blog von der vorläufigen Trennung der Reisenden Natalia (inzwischen Heimweh) und Konrad (immer noch Fernsucht).  

 

Wir sind ziemlich sprachlos …… machen uns viele Gedanken….. aber dann treffe ich beide noch einmal in Perth an einem  einem der stürmischsten und trübsten Regentage, die wir in den vergangenen Monaten erlebt haben.  

 

Das Wetter passt zur Stimmung …durch Perth fegt ein kleiner Tornado …einige Häuser und Autos im Vorort Canning Vale werden beschädigt, Bäume entwurzelt ….. (The weather bureau says 32 mm of rain has fallen this morning, which is a third of Perth's rainfall so far this year.)

 

 

We cannot direct the wind, but we can adjust our sails – diese Abschiedsworte geben wir unserer Wanderfreundin Sue mit auf ihren endgültigen Umzug nach Kalifornien.  Sie hätten auch zu Natalia und Konrad gepasst, die ihre ‚Segel‘ gerade neu ausrichten.... Wir wünschen ihnen sehr, dass beider Wege und Ziele wieder in Einklang zu bringen sind  …  Vielleicht ist es ein gutes Omen, dass die Sonne zumindest in Perth am nächsten Tag bereits wieder scheint?

 

 

Noch haben wir keinen sonntäglichen Bush Walk der gerade angelaufenen Herbst-Winter-Saison verpasst. Die Wetterbedingungen sind eigentlich ideal. Temperaturen unter 10° lassen uns am Start noch leicht frösteln, sobald die Sonne etwas höher steht, können wir es im T-Shirt gut aushalten.  

 

John Forrest National Park, Kalamunda, Helena Rocks waren unsere ersten Ziele. Den heutigen Weg (A Different Side of Bickley) taufen wir um in ‚Prickly Bickley‘, denn wir wandern ‚off the tracks‘, d.h. querfeldein durch überwiegend sehr stacheliges Gebüsch – geleitet vom GPS unserer leaders.   


 

 

 

 

Die Meinungen gehen bei den Teilnehmern auseinander, ob bushwalking noch unverfälscht ist, wenn erst elektronische Ortungsgeräte zum Einsatz kommen. Ob mit oder ohne – verlaufen kann man sich schnell im australischen Busch!    

 

 

 

 

 

 

 

Waren wir beim letzten ‚social gathering‘ der Wanderfreunde noch in einem pub, das alt-englisch eingerichtet und zum Sonnenuntergang mit einem prasselnden Kaminfeuer aufwartete, so haben wir nach dieser Wandertour den Austria Club of WA kennengelernt: eine total schrullige Mischung von Bierzeltgarnituren, Dorfkneipencharakter mit Tanzsaal, Plastik-Frühlingsblumen und Herbstlaub, Fotografien österreichischer Landschaften, Fahnen und Wimpel an den Wänden, Maibaum im Hof und… deutschem Bier vom Fass.  

 

Der österreichische Club hat, wie andere seiner Art (deutsche, kroatische, serbische, italienische, …) seine besten Zeiten vor rund 40 Jahren gehabt, als Einwanderer sich noch zahlreich und regelmäßig im Kreis ihrer Landsleute trafen, diese Treffs der Mittelpunkt ihres Lebens in der ‚neuen Heimat Australien‘ waren.  

 

 

Die Zeit scheint hier stehengeblieben zu sein -  sowohl beim deutschen Wirt und seiner holländischen Frau als auch bei den wenigen Gästen, die zumeist deutschsprachig sind. Silvia aus Hamburg setzt sich an unseren Tisch, verfällt schnell in den uns sympathischen norddeutschen ‚Klönschnack‘, und von der reizenden Margaret, der englisch/pakistanischen Witwe eines Deutschen, erfahren wir in kürzester Zeit ihre ganze bewegte Lebensgeschichte.

 

Es scheint, als kommen selten neue Gesichter in diese Runde, denn groß ist die Freude über unsere Anwesenheit. Wir bekommen den hauseigenen  Veranstaltungsplan für 2011 in die Hand gedrückt - könnten uns bei Grete, Renate oder Monika für die Handarbeitsrunde, den Tanzabend, das Weinfest oder den Christkindl Market anmelden. Irgendwie kein Wunder, dass man jüngere Generationen in diesem skurrilen Club in einem Vorort von Perth vermisst.  


Bye for now / tschüss - Biggi   

  

 

 
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