Mai 2011

 

 

In Perth ist eine umfangreiche Ausstellung zur australischen Kultband AC/DC zu sehen und wer will, kann sich (ähnlich einer Wii) am Schlagzeug oder der Gitarre selbst ausprobieren:

 

 

 

      

 

Aus dem Flyer: They are an icon of Australian music but more than that, they are one of the world’s greatest Rock and Roll bands.Australia’sFamily Jewels celebrates the creativity in a lively and engaging way that is both informative and entertaining for the audience.  

 

 

Mit dem Herbst geht die Zeit der Open-Air-Konzerte zu Ende und damit die Möglichkeit, hin und wieder als ‚Zaungäste‘ kostenfrei zuzuhören. In der Perth Concert Hall hören und sehen wir  die Pink Floyd Cover Band: Beyond the Darkside, die in einem 3-stündigem Showprogramm die Musik samt Laser Light Show und Diskokugel überzeugend wiederbeleben, ihr überwiegendes ‚Best Ager‘- Publikum jedoch nicht aus den Sitzen reißen.   

 

 

Muttertag ist Wandertag: Die Saison mit dem Western Walking Club hat wieder begonnen. Es geht nach Kalamunda. Noch in diesem Monat werden wir leider Sue aus dieser Runde verabschieden, die zu ihrer Tochter nach Kalifornien umsiedeln wird. Wir werden diese begeisterte Wanderin und engagierte Umweltaktivistin sehr vermissen.   


 

Mixed feelings – ein weinendes, ein lachendes Auge – etikettieren Sues Gefühle bei diesem großen Schritt, die damit auch ihr unkonventionelles Zuhause auf einem Schiff aufgibt.   

 

Die unmittelbare Nähe zum Busch erinnert mich an ein  umfangreiches und zugleich schwieriges Kapitel der australischen Geschichte, Gegenwart und Landes-kultur schlechthin:  

 

Die Ureinwohner Australiens - Aboriginals.  

 

Mit diesem Sammelbegriff geht das eigentliche Dilemma schon los, denn die seit unbestritten 40.000 Jahren hier lebenden Menschen setzten sich aus nahezu 250 separaten Volksgruppen, Stämmen oder Clans zusammen, die eigene Sprachen hatten und darüber hinaus weitere Dialekte kannten. Sprachen, die heute weitgehend ausgestorben sind – so wie viele der geschätzten 300.000 bis 750.000 zählenden Einwohner, die man zur Zeit der ersten europäischen Besiedlung in Australien vermutete.  

 

Die indigene Bevölkerung, die in der Gegend um Perth herum lebte und lebt sind Noongar (in anderen Quellen auch: Nyoongar) und die blackfellas ziehen diese Identifizierung jedem universalen Begriff: Aboriginal deutlich vor, wenn sie sich von den whitefellas nicht nur abgrenzen, sondern ihre eindeutige Clan-Zugehörigkeit definieren wollen.

 

Mögen Zahlen zu den Ureinwohnern differieren, gewiss ist die Tatsache, dass die indigenen Einwohner Australiens zu den ältesten lebenden Bevölkerungsgruppen der Erde gehören, die es durchgängig geschafft haben, im Einklang mit der Natur zu leben – in Falle Australiens sogar ein besonders unwirtlicher Kontinent.


Verglichen mit Lebensstandards schon der ersten Europäer, die Australien ab 1788 für sich reklamierten, mussten Praktiken des ‚Sammelns und Jagens‘ primitiv erscheinen. Allerdings lehren sie eine Nachhaltigkeit, die selbst heutzutage insbesondere für die Nutzung von Rohstoffen eingefordert wird, um auch den nachkommenden Generationen das Leben auf unserem Planeten zu erhalten.

 

Die Aboriginals kannten keine Schriftsprache, sondern tauschten mittels Erzählungen, Tänzen und Malereien ihre Rituale, Regeln und Kenntnisse aus. Was als ‚Tjukurrpa/Dreaming beschrieben wird, bezeichnet nicht nur die ‚Schöpfungsgeschichte‘ dieses Kontinents, sondern umfasst ebenso die Lehre vom respektvollen Umgang mit den Gegebenheiten der Natur und allen Lebewesen. Wissen, das lediglich mündlich von Generation zu Generation weitergegeben wurde.


Die letzten 250 Jahre haben den Ureinwohnern Australien gravierendste Veränderungen gebracht und sie in Lebensformen gezwängt, die ihre eigenen Traditionen, Werte, Sprachen und Kulturen massiv verdrängt und teilweise unwiederbringlich ausgelöscht haben.  

 

Massensterben verursachten in den Anfängen europäischer Besiedlung eingeschleppte Krankheiten wie z.B. Pocken, Masern oder Influenza. Gewaltsame Vertreibung in entlegene Gebiete, Hungersnöte und auch blutige Konflikte setzten den Ureinwohnern schwer zu. Rob Riley, ein Verfechter der Interessen der Aboriginals, drückte seinen Protest mit folgendem T-Shirt-Aufdruck aus: 40.000 years of dreaming – 200 years of nightmares.  

 

Zu den dunkelsten Kapiteln gehörten dabei die rigorose Internierung der Aboriginals in Reservaten und insbesondere das willkürliche Herausreißen von Mischlingskindern aus ihren Familien mit dem Ziel, diese in weißen Familien oder speziellen Einrichtungen so auszubilden und zu erziehen, dass sie ‚erfolgreich in die Gesellschaft eingegliedert werden können‘.

Bis 1972 wurden offiziellen Quellen zufolge durch diesen grausamen Akt mindestens 30.000 Halbblut-Aboriginal-Kinder von ihren leiblichen Eltern getrennt. Die tatsächliche Zahl liegt vermutlich noch höher.  

 

Diese Generation nennt man Stolen Generation, ein Begriff, der 1995 erstmals offiziell durch die australische Regierung anerkannt wurde und schließlich 2008 zur Erklärung des Bedauerns durch den amtierenden Premierminister Kevin Rudd führte. (Quelle: Reise Know How, Kulturschock Australien).


Trotz aller Bemühungen der Regierung, Benach-teiligungen auszumerzen, haben die Aboriginals auch heute eine niedrigere Lebenserwartung und höhere Arbeitslosenraten als ihre 'weißen' Landsleute, eine unverhältnismäßig hohe Zahl von Alkoholproblemen, unzureichende Bildung und erfahren in der Folge überdurchschnittlich Frustration, Konfliktpotenzial und (Jugend-) Arbeitslosigkeit. Vom Staat geschaffene Communities bzw. Reservate und zugeteilte finanzielle Unterstützung scheinen keine geeignete Lösung, wenn dieses Geld nur allzu leicht in Alkohol umgesetzt wird. Für Australien ist es ein riesiges Problem.

   


Für die indigene Bevölkerung ein enormer Spagat, in dem sie sich befindet:  der Versuch einen Weg zu finden zwischen Bewahrung von Traditionen trotz Einbindung in ein modernes Leben.  

 

Sport, Kunst und die Tourismusindustrie sind heute die für uns erkennbar dominierenden Berufsfelder in denen man Aboriginals findet. Persönliche Begegnungen haben wir bislang keine machen können.  


Ngoongar boodjja ngalak yirra yaak

("wir stehen auf Noongar Land" ... singt mein Chor beim Noongar Welcome Song)


 

 

Greetings  

Biggi

 

   

 
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