Reise durch Westaustralien mit Ulli & Werner

 

 

 

 

Vierfache Erinnerungen von 18 intensiven Urlaubstagen, Entdeckungen entlang rund 5 700 gefahrenen und ungezählten erwanderten Kilometern! Rund 2 000 Fotos von Eindrücken über, auf, am und unter Wasser! Wie kann ich all das schildern, ohne dass mein Bericht nur passable Wiederholung unserer zwei nützlichen Reiseführer (Stefan Loose bzw.Lonely Planet) oder der humorvollen Anekdoten von Bill Bryson wird?  

 

Fazit: Das Land ist viel grüner und bunter als erwartet, Kängurus sind seltener als gedacht und unsere Etappenziele liegen so weit auseinander wie geahnt.



 

Murchison Rose - Kalbarri

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die enorme Ausdehnung Westaustraliens erfordert viel Geduld und die gelegentliche Ablenkung durch ein vergnügliches Hörbuch während langer Autofahrten.

 

Während wir so viele Streckenabschnitte bei komfortabler ‚Sitzbesichtigung‘ hinter uns lassen überholen wir drei Radler(!). Obwohl wir vier sehr gerne Fahrradtouren machen, können wir nicht nachvollziehen, was dazu bewegt, diese quälenden Entfernungen auf einem Drahtesel hinter sich zu bringen.  

 

Über Hunderte von Kilometern zeigt die Natur wenig Abwechslung zwischen massenhaften gigantischen Termitenbauten und spinifex (stacheligem Gras), während das Navigationsgerät bestimmt: „Nächste Abbiegung in 602 Kilometern!“ - und sich damit vorübergehend überflüssig macht.  

 

 

 

 

Obwohl wir mangels Allradantrieb/4WD die unwegsamsten Straßen und unzugänglichsten Küstenabschnitte auslassen mussten, haben wir dennoch so viele außerordentliche Landschaften und herrliche Strände besucht, Berge, Schluchten und nahezu ausgetrocknete Flussbette erlaufen, heimische Pflanzen, Tiere und Muscheln entdeckt, dass es jeden monotonen Autokilometer dazwischen Wert war.    

 

 

 

 

 

Sturt Pea

Farbenprächtige Wildblumen (wie z.B. die Sturt Pea) und die in Australien allgegenwärtigen gelb blühenden Akazien (wattle) säumen zu dieser Jahreszeit unsere Routen. Die Hauptader – der North-West-Coastal Highway - ist eine gut ausgebaute Straße, auf der man gelegentlich den Schwertransportern mit Überbreite ausweichen muss, wenn sie Gerätschaften, Material und noch mehr dringend benötigte mobile homes (Wohncontainer)  für die Minenarbeiter in die Pilbara Region bringen.   

 

 

Shell Beach


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ebenso überwältigend wie die Natur sind auch Industrie-anlagen, die das Leben bestimmen und den Reichtum Westaustraliens begründen: Eisenerzminen mit monströsen Maschinen für den oberirdischen Abbau (open pits) liegen in Tom Price in unmittelbarer Nachbarschaft zum Karijini National Park sowie Salz- und Fischindustrie neben gigantischen Gasaufbereitungs- und Verflüssigungsanlagen, die ihre Produkte off-shore nahe der vielen Inseln und Riffe vor der Australischen Westküste produzieren und ebenso wie das Eisenerz über Dampier und Karratha exportieren.


 

 



 

Auch wir beziehen Quartiere wo gleichfalls Beschäftigte der riesigen Industrieanlagen während ihrer Arbeits-wochen wohnen, gewinnen neben einer geführten Tour durch den Eisenerzabbau Einblicke in die Unterbringung und Versorgung der Mitarbeiter, die zum großen Teil aus Perth zu den 12 Stunden Schichten eingeflogen werden.  

 

 

Westaustralien scheint vielerorts den Tourismus gerade erst für sich zu entdecken: Kalbarri, Carnavon, Cervantes, Denham und auch später Exmouth haben noch Platz für Expansion und bieten neben Unterkünften meist auch zahlreiche Anlegeplätze und Freizeitangebote für den, der mit Boot und Camper unterwegs ist.

 

Zu dieserJahreszeit machen die kleinen Orte allerdings einen etwas verschlafenen Eindruck – es ist schließlich Winter! Oder sie sind, wie das schnieke Exmouth Marina Village, erst am Entstehen. Mit seinen handzahmen Delfinen ist Monkey Mia da schon als ‚Touristenfalle‘ etabliert und Geraldton die einzige Küstenstadt entlang unserer Strecke, die diese Bezeichnung auch verdient.    

 

 

 

 

 

 Beach & Bush erkunden wir zunächst in Kalbarri. Die Küste ist schroff, steil und leuchtet in der Abendsonne. Wir können uns kaum sattsehen am Farbspiel des Gesteins und einem spektakulären Sonnenuntergang.   



Kalbarri National Park


 

Nature’s Window im Kalbarri National Park ist ein Fotostopp für jeden Touristen, dann führt uns ein 8 km Loop an den Murchison River, für den sich nur wenige Wanderer Zeit nehmen. Im Sommer muss es hier unerträglich heiß sein, jetzt sind Temperaturen um 22° gerade richtig. Baden und Schnorcheln verlegen wir auf unsere Etappenziele am Ningaloo Reef.

 



 

Aber vorher lernen wir ein tagscheues Bilby (kleines Beuteltier) kennen, sehen aus der Ferne die seltenen Dugongs (Seekühe) und kommen auch ohne organisierte Fütterung den Delfinen in Monkey Mia am Strand und beim Paddeln sehr nahe:   

 

 

 

 

In Denham bleibt uns das Old Pearler Restaurant in bester Erinnerung, wo wir anlässlich unseres 30. Hoch-

zeitstages gebührend schmausen. Das kleine Lokal ist eins der wenigen Gebäude, die aus Muschelsteinen errichtet sind.  

 

 

Das Ningaloo Reef zählt zu den schönsten Marine Parks Australiens. Ohne dass wir selbst viel tun müssten, lässt uns die Strömung am Turquoise Beach bei Exmouth an hunderten bunter Fische vorbeigleiten, die in den Korallen-bänken leben und die mit einfachster Schnorchelaus-rüstung bestens zu beobachten sind. Ein tolles Erlebnis nur wenige Meter vom Strand entfernt!  

Stundenlang könnte man dieses fast stille Leben und Treiben unter Wasser betrachten.    

 

 

 

 

Ein Glasbodenboot bringt uns am nächsten Tag noch ein Stück weiter hinaus und Ulli und ich nutzen auch dort die Chance zum Schnorcheln, obwohl es auch direkt unter dem Boot nie langweilig wird - sogar eine Meeres-schildkröte und der australische Cousin vom Clownfisch Nemo zu sehen sind.

 

Derweil schließt sich Holger einer Bootstour an, die Schnorchler und Taucher jenseits des Riffs in die unmittelbare Nähe von Whale Sharks bringt, was für ihn zu einem herausragenden Reiseerlebnis wird. Als größter Fisch der Welt erreichen Whale Sharks  Längen bis zu 18 m und hier kann man diesen Meeresgiganten in freier Natur bis auf wenige Meter nahekommen. Zwar haben sie tausende kleiner Zähne, kauen jedoch ihr Futter nicht, sondern filtern das eingesogene Wasser nach Plankton, sind für den Menschen folglich eher harmlos. Größe, Gewicht bis zu 15 Tonnen und Scheu der Tiere fordern dennoch viel Respekt und gebührenden Abstand.




 

 

Im Meer lassen sich immer wieder Wale entdecken, die jedes Jahr an der Westküste entlang ziehen, um im warmen Norden ihre Jungen zur Welt zu bringen. Ich hatte das Glück, einen dieser Giganten zu erspähen, als er sich in voller Länge aus dem Wasser hob – und das gar nicht mal so weit vom Strand entfernt.

 

Zwischen dem klaren Wasser des indischen Ozeans und dem rot-staubigen Herz der Pilbara Region könnte der Kontrast nicht größer sein. Die schier unermessliche Gewinnung von Eisenerz wühlt das Land auf, hinterlässt unübersehbare Wunden. Allein Rio Tinto, dessen riesige Produktionsstätte wir in Tom Price besichtigen, bewegt auf seinem privaten Schienennetz 130 MillionenTonnen Erz pro Jahr.


open pit (Rio Tinto) Tom Price



 

Tom Price, selbst ernannte Top Town, ist tatsächlich die höchst gelegenste Stadt Westautraliens (454 m) und beherbergt auch Touristen, die - wie wir - im nahe-

gelegenen Karijini Nationalpark Eco Retreat keine Unterkunft mehr bekommen konnten. Für die rund 5 000 Einwohner der boomenden Stadt, für Minenarbeiter und uns ist sie (Versorgungs-) Zentrum. Nach einem Essen im asiatischen Moon Palace Restaurant, das die Bewertung ‚top‘ absolut nicht verdient, kochen wir zur Abwechslung und vollsten Zufriedenheit selbst.  

 

 

Tiefe Narben ganz anderer Art haben Erosion, Druck, Brüche und Auswaschung der Sedimente im roten Gestein des Karijini National Parks hinterlassen und in Millionen von Jahren grandiose Schluchten, Wasserfälle, schattige Flussläufe und verwunschene Wasser-becken entstehen lassen. Nach der Regenzeit sind diese bis zu 100 Meter tiefen Felseinschnitte (gorges) mit ihren pools regelrechte Oasen mit eiskaltem Wasser.  

 

 

 

 

Die zerklüfteten Hänge und bröckelnden Felsplatten sind ein nicht ungefährliches Kletterparadies. So manche Schlucht ist nur durch das Wasser erreichbar, die sich bei plötzlichem Regen zu einer gefährlichen Falle entwickeln kann. Holger genoss besonders diese Klettertouren und Wasserdurchquerungen.     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seit einigen Tagen sind wir zurück in Perth. 

 

Wer immer noch mehr hören will von Stromatoliten, dem Shell Beach, Coral Bay, einer Schlange in der See, einem Emu in der Stadt, von Blowholes, Finlay’s Fish BBQ, The Boatshed, BYO, man-eater, Red-tailed Black Cockatoos, Lady Grace, Fliegennetzen, 1-Mile-Jetty, einem Goanna, dem Python Pool, Red Dog, Bed & Breakfast, HMAS Sydney II Memorial, Geraldton, beef&reef, Trost-Snickers, Sand Dunes, Rapsfeldern und Pinnacles oder alle (!!) Bilder unter, am und über Wasser sehen will, muss sich bei Ulli, Werner, Holger oder mir einschmeicheln.  :-)




 

 

Herzliche Grüße

Biggi

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 




  

 

 

 

 

 

 

 

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